TYPO3

TYPO3 ist ein freies Content-Management-Framework für Websites, das ursprünglich von Kasper Skårhøj entwickelt wurde. TYPO3 basiert auf der Skriptsprache PHP. Als Datenbank kann MySQL, aber auch etwa PostgreSQL oder Oracle eingesetzt werden. Das System wird von zwei Teams,jeweils einem für TYPO3 und einem für dessen Nachfolger mit dem Arbeitstitel Phoenix, weiterentwickelt.

Der Name TYPO3 stammt daher, dass Skårhøj durch einen Tippfehler (englisch „typo“) bei der Entwicklung einen Teil seiner Arbeit verlor. Die Zahl „3“ wurde dem Namen schließlich angehängt, nachdem die dritte Version des Systems durch ihren Erfolg als eine Art Marke bekannt wurde.

Zahlreiche Funktionen können mit Erweiterungen integriert werden, ohne dass ein eigener Programmcode geschrieben werden muss. Die derzeit über 5000 Erweiterungen stammen zum größten Teil von anderen Anbietern und sind kostenlos verfügbar. Erhältlich sind unter anderem News, Shop-Systeme oder Diskussionsforen. Das System ist auf Mehrsprachigkeit ausgelegt und wird von einer Anwender- und Entwicklergemeinde aus aller Welt betreut. TYPO3 gehört zusammen mit Drupal, Joomla! und WordPress zu den bekanntesten Content-Management-Systemen aus dem Bereich der freien Software, und wird vor allem im deutschen Sprachraum sehr häufig eingesetzt.

Verwendung

Es wird geschätzt, dass TYPO3 weltweit mehr als 500.000 Mal eingesetzt wird. TYPO3 stellt mittlere Anforderungen an die Leistungs- und Konfigurationsfähigkeit des verwendeten Servers. Die Einarbeitungszeit für einen Website-Entwickler beträgt mehrere Wochen bis Monate, für einen Autor oder Redakteur je nach freigeschalteten Funktionen wenige Minuten bis einige Stunden. Ein Entwickler, der eine TYPO3-Website einrichten möchte, muss sich in der Regel intensiv mit der Metasprache TypoScript beschäftigen.

Im Gegensatz zu kommerzieller Software gibt es bei TYPO3 keinen Support durch den Hersteller bzw. Entwickler, dafür aber durch die Anwendergemeinde (Bugtracker, Foren und News-/Mailinglisten) und eine große Anzahl an Web-Agenturen. Viele Unternehmen haben sich auch darauf spezialisiert, Websites in TYPO3 zu erstellen oder Website-Hosting mit vorinstalliertem TYPO3 anzubieten.

Bedienung

TYPO3 wird auf einem Webserver installiert und mit einem Webbrowser benutzt. Außer einem Browser ist zur Benutzung keine Zusatzsoftware erforderlich. Die Nutzung von TYPO3 gliedert sich in drei große Bereiche: Die Erstellung des Website-Designs, die Konfiguration von TYPO3 mittels TypoScript und die Eingabe des Website-Inhalts.

TYPO3 enthält ein Backend, das der Pflege der Website dient und ein Frontend, das die Website selbst darstellt.

Im TYPO3-Backend wird die Website verwaltet. Dort wird TYPO3 konfiguriert, werden Inhalte erstellt und bearbeitet. Ein WYSIWYG-Editor erlaubt es Anwendern ohne HTML-Kenntnisse, redaktionelle Arbeit zu erledigen. Alternativ kann die Bearbeitung von Inhalten auch direkt über das Frontend der Website erfolgen. Diese Option bietet einen schnelleren Einstieg in das System.

Funktion und Architektur

Zu den Funktionen gehören unter anderem zeitliche Steuerung zum Ein- und Ausblenden von Inhalten, ein Rollen- und Rechtesystem, eine Suchfunktion für statische und dynamische Inhalte, suchmaschinenfreundliche URLs, eine automatische Sitemap, eine Nutzerverwaltung und Mehrsprachigkeit des Backends und Mehrsprachenfähigkeit des Frontends. Weitere, über verschiedene Zusatzmodule (sogenannte Erweiterungen) integrierbare Funktionen, sind beispielsweise ein Gästebuch, ein Forum, das Verfassen und der Versand eines Newsletters oder eine Statistik der Seitenaufrufe. Bilder, Texte, Tabellen, Animationen sowie externe Datenquellen können in TYPO3 (zum Teil über Erweiterungen) verwaltet werden.

Templates, in denen Seitenaufbau und Formate definiert werden, erleichtern die Darstellung von Inhalten. Inhalte werden über frei konfigurierbare Eingabemasken eingegeben, zum Beispiel in Form des enthaltenen Rich-Text-Editors, der über eine an gängige Textverarbeitungen angelehnte, WYSIWYG-artige Oberfläche verfügt. Eine integrierte Bildverarbeitung ist vorhanden. Der Objektmanager gestattet es, grafische Elemente zu skalieren, zu drehen, Rahmen hinzuzufügen etc., wobei TYPO3 in Verbindung mit dem Bildkonverter ImageMagick und GDLib eine modifizierte Bilddatei im neuen Format erzeugt.

TYPO3 wird intern über verschiedene PHP-Arrays gesteuert. Sie enthalten alle Informationen, die notwendig sind, um aus den in einer Datenbank gespeicherten Inhalten über TypoScript-Befehle HTML-Code zu erzeugen. In der Regel kann man fast jede Ausgabe und viele Backendeinstellungen über Änderungen der Konfiguration in den Arrays anpassen. Der dadurch während der Laufzeit der PHP-Skripte am Webserver benötigte Speicher ist deshalb von Bedeutung.

Die Inhalte und Parameter werden in einer relationalen Datenbank gespeichert und stehen unabhängig von dem jeweils verwendeten Template zur Verfügung. Dadurch kann das Erscheinungsbild einer Internetpräsenz theoretisch allein durch Austausch des Templates vollständig geändert werden, ohne die Inhalte anzufassen. Ebenso können dieselben Inhalte in unterschiedlichen Layouts oder Ausgabeformaten (zum Beispiel XML oder LaTeX) präsentiert werden.

Während in früheren Versionen die MySQL-Datenbank direkt angesprochen wurde, kann nun mit dem optionalen Database Abstraction Layer DBAL zwischen einer Anzahl gängiger SQL-Datenbanken gewählt werden, darunter als Open-Source-Alternative PostgreSQL, als kommerzielle Variante Oracle.

Ein integriertes Caching-System speichert Ergebnisse vorher definierter Datenbankaufrufe zwischen. So wird gerade bei hoch frequentierten Seiten die CPU-Belastung gesenkt, die Anzahl der Datenbankabfragen verringert und die Seite damit schneller ausgeliefert.

Große TYPO3-Projekte

Zahlreiche große Websites, vor allem auch viele deutschsprachige, etwa die Website des Landes Sachsen-Anhalt, die Website der Partei Bündnis 90/Die Grünen, die Website der Technischen Universität Berlin oder die Website des Deutschen Fußball-Bundes basieren auf TYPO3.

Benutzerfreundlichkeit

TYPO3 wird oft kritisiert, zu komplex zu sein und zu wenig Augenmerk auf den Endanwender zu richten. So war die Oberfläche im Vergleich zu anderen Content-Management-Systemen vergleichsweise weniger intuitiv bedienbar. Diese wurde in Version 4.2 geändert, hier wurde das Backend grundlegend überarbeitet und ist damit deutlich intuitiver geworden. Mit Version 4.3 sind weitere tiefgreifende Änderungen, welche die Bedienung weiter vereinfachen, eingeführt worden. Im Rahmen von Version 4.4, die am 22. Juni 2010 veröffentlicht wurde, ist das Design auf Basis der Ergebnisse der sogenannten User Experience Week (T3UXW) aus dem Vorjahr speziell hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit erneut verbessert worden. Zudem wurde mit dieser Version erstmalig eine Demo-Website (genannt Introduction Package) ausgeliefert, die es Erstnutzern ermöglicht, sich schneller mit den Funktionen des Systems vertraut zu machen. Mit TYPO3 4.5 wurden die wichtigsten Bearbeitungsformulare neu strukturiert, um einen verbesserten Workflow zu gewährleisten.

Zertifizierung

Seit der TYPO3-Konferenz 2008 gibt es die Möglichkeit, sich offiziell zertifizieren zu lassen. Dazu werden in verschiedenen Städten weltweit zu bestimmten Terminen offizielle Prüfungen abgenommen. Den Beginn macht dabei die Zertifizierung zum so genannten „TYPO3 Integrator“, dessen Aufgaben laut Definition in der Templateerstellung, der Konfiguration von Erweiterungen und der Vergabe von Nutzerrechten bestehen. Er installiert jedoch nicht TYPO3 selbst auf einem Server und entwickelt selbst keine neuen Erweiterungen.

Für weitere Aufgabenfelder sind ebenfalls Zertifikate in Planung.

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